Johann Joachim Becher (1635–1682)
Forscher • Entdecker • Ideenproduzent • Anwender – der Speyerer Vielfachgelehrte, der seiner Epoche in vielem voraus war.
Leben – ein Gelehrter in produktiver Unruhe.
Johann Joachim Becher wurde 1635 in Speyer als Sohn eines lutherischen Pfarrers geboren – noch während des Dreißigjährigen Krieges. Er studierte Medizin, Chemie und Theologie, wurde Professor für Medizin und Leibarzt des Mainzer Kurfürsten. Doch der Mediziner wirkte weit über sein Fach hinaus: in Ökonomie, Chemie, Physik und Technologie.
Becher bereiste ganz Europa und beriet Regierungen in München, Wien, den Niederlanden und England. Er hat, wie er selbst schrieb, viel „probirt, laborirt und speculirt“ – und wenn ein Projekt an Geldmangel, Missgunst oder fehlendem Wissen seiner Zeit scheiterte, versuchte er es auf einem anderen Gebiet und an einem anderen Ort. 1682 starb Johann Joachim Becher in London.

Lebenslauf in Stationen
- 1635 – Geburt in Speyer
- 1640–1650 – Jugend in Speyer, Besuch des Retscher-Gymnasiums
- ab 1650 – „Europäische Wanderjahre“ (Stockholm, Amsterdam, Italien)
- ab 1652 – Studium der Medizin, Chemie und Theologie in Mainz, danach Professor für Medizin und Leibarzt des Kurfürsten
- 1664 – kurzzeitig in Mannheim am Hof des Kurfürsten von der Pfalz
- 1664–1670 – Hofmedicus und Mathematicus am kurfürstlichen Hof in München
- 1667/68 – Hauptwerk „Politischer Discurs“
- 1668–1678 – in Wien bei Kaiser Leopold I., großer Einfluss auf Wirtschafts-, Handels- und Beschäftigungspolitik
- 1669 – Kolonialprojekt „Hanauisch-Indien“ (Guyana)
- 1676 – Kaiserlicher Kommissar
- 1677–1679 – in Holland mit mehreren technischen Entwicklungen, kurz in Glasgow
- 1679–1682 – in England (London, Cornwall, Isle of Wight); der englische König erteilt ihm mehrere Patente
- 1682 – Tod in London
Ausgewählte Schriften
- Naturkündigung der Metallen, Frankfurt 1660/61
- Character pro notitia linguarum universali (Allgemeine Verschlüsselung der Sprachen), Frankfurt 1661
- Parnassus illustratus medicinalis, Ulm 1662/63
- Politischer Discurs von den eigentlichen Ursachen des Auf- und Abnehmens der Städt, Länder und Republicken, Frankfurt 1668
- Moral Discurs von den eigentlichen Ursachen des Glücks und Unglücks, Frankfurt 1669
- Methodus Didactica, Frankfurt 1669
- Physica subterranea, Leipzig 1669
- Psychosophia, das ist Seelenweisheit, Güstrow 1678
- Trifolium Becherianum Hollandicum, Frankfurt 1679
- Chymisches Laboratorium, Frankfurt 1680
- Chymischer Glücks-Hafen, Frankfurt 1682
- Närrische Weisheit und weise Narrheit, Frankfurt 1682
- Kluger Hausvater und Wohlerfahrener Land-Medicus, Leipzig 1685
„Wie glücklich wären wir, wenn wir von den Worten auf die Werke, von dem Bekenntnis auf die Erkenntnis, kurz – vom Namen auf die Tat kämen.“
— Johann Joachim Becher, 1678
Das Johann Joachim Becher-Haus in Speyer.
Seit 2005 erinnert das Johann Joachim Becher-Haus im Areal des Judenhofs in Speyer an den Vielfachgelehrten – als „aktivierende Gedenkstätte“: kein Museum im klassischen Sinn, sondern ein zukunftsorientierter Lernort und Treffpunkt der Gesellschaft.
Schautafeln, Modelle und Originalschriften zeigen unter anderem das Wiener Werkhaus, die Leuchtgas-Gewinnung, Bechers Kanal- und Schleusenpläne zwischen Rhein und Donau, die patentierte Schiffsmühle und den „Elefanten von der Rehhütte“. Führungen sind im Rahmen von Stadtführungen oder als themenzentrierte Kurzvorträge möglich – um Voranmeldung wird gebeten.
Kleine Pfaffengasse 20/21 (Judenhof), 67346 Speyer

